
Rund um den Säntis – Appenzellerland
Von Wiggensbach führen Sabine und Jost diese Tour rund um den Säntis.
VorarlbergMotorradregion Vorarlberg6 Strecken · 9 Pässe
Der Motorrad-Guide in Vorarlberg: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Als westlichstes Bundesland Österreichs liegt Vorarlberg wie ein Keil zwischen drei Nachbarländern. Von den 321 Kilometern Landesgrenze entfallen rund 110 auf Deutschland, 107 auf die Schweiz und 35 auf Liechtenstein; nur 69 Kilometer, hinauf über den Arlberg, führen ins übrige Österreich nach Tirol. Im Nordwesten reicht das Land an gut ein Zehntel des Bodensee-Ufers, im Süden ragt der Piz Buin mit 3312 Metern auf. Zwischen Seespiegel und Dreitausender liegt auf kleiner Fläche ein dicht gepacktes Revier – der Höhenunterschied ist das erste, was man auf dem Motorrad spürt. Auf gut 2600 Quadratkilometern reihen sich Rheinebene, Voralpen und Hochgebirge so eng, dass sich Fahrtage fast ohne Leerlauf zusammensetzen lassen.

Die Grundlinie bildet das Vorarlberger Rheintal: der breite, flache Talboden, durch den der Rhein die Grenze zu Schweiz und Liechtenstein zieht und an dem Bregenz, Dornbirn und Feldkirch aufgereiht sind. Von hier führt praktisch jede lohnende Strecke nach oben. Das Land funktioniert wie ein Haus mit zwei Etagen: unten der zügige Rheintal-Korridor, darüber ein Netz von Seitentälern, die fast alle in einer Passhöhe enden. Wer fährt, wechselt ständig zwischen beiden Ebenen. Der Talboden ist dicht besiedelt und zu Stoßzeiten zäh; die Kurven beginnen dort, wo man ihn nach oben verlässt.
Nach Osten öffnet sich der Bregenzerwald. Die Bregenzerwaldstraße (L 200) folgt der Bregenzer Ach talaufwärts, mit langgezogenen Radien durch Streusiedlungen und über sanfte Höhenrücken – kein Kurvenrausch, sondern gleichmäßiger Fluss über weite Bögen. Wer den direkten Draht aus dem Rheintal sucht, nimmt die L 48 von Dornbirn über das Bödele (Losenpass, 1139 m) hinüber nach Schwarzenberg: kurze, enge Anfahrt, oben Weideland, dann Abfahrt zurück in den Wald. Der Bregenzerwald taugt damit als Einrollrevier: gut ausgebaute Landstraßen, überschaubare Steigungen, ehe es weiter hinten alpin wird.
Im hinteren Bregenzerwald ballen sich die eigentlichen Pässe. Der Hochtannbergpass (1676 m) verbindet über die L 200 Schoppernau und Schröcken mit Warth am oberen Lech – weite Kehren, offenes Hochtal, kaum Bäume. Von Damüls spannt das Faschinajoch (1486 m, L 193) den Bogen ins Große Walsertal, und wer die Runde schließen will, nimmt das Furkajoch (1759 m, L 51) hinüber ins Laternsertal: eng, streckenweise bis zu 14 Prozent steil und erst ab dem späten Frühjahr befahrbar. Drei Übergänge, die sich zu einer kompakten Tagesschleife fügen.

Scharnier des Landes ist der Walgau, die weite Talfurche der Ill zwischen Feldkirch und Bludenz. Von hier fächern die südlichen Talschaften auf: das Große Walsertal, das Brandnertal hinauf nach Brand, das Klostertal Richtung Arlberg und das Montafon. Jede ist für sich eine Stichfahrt mit eigenem Charakter – Bludenz wird so zum Drehkreuz, von dem aus sich Runden in vier Richtungen legen lassen, ohne lange Anfahrt dazwischen; kaum ein Übergang liegt mehr als eine gute Fahrstunde vom nächsten entfernt.
Die historische West-Ost-Achse ist der Arlberg. Aus dem Klostertal steigt die Arlberg Pass Straße (B 197) über Klösterle und Stuben auf 1793 Meter zur Tiroler Seite bei St. Anton; wer es eilig hat oder das Wetter zumacht, nutzt den knapp 14 Kilometer langen Straßentunnel der S 16. Kurz vor der Passhöhe zweigt bei Stuben die Flexenstraße (L 198) ab und führt über den Flexenpass (1773 m) hinauf nach Zürs und Lech – durch die Flexengalerien, jene in den Fels gebauten Lawinengalerien, deren Kern bis 1897 zurückreicht. Der Arlberg ist zugleich eine Wetterscheide zwischen Rhein- und Inneinzugsgebiet: Was auf der Vorarlberger Seite grau hängt, kann hinter dem Pass in Tirol offen sein – und umgekehrt.
Den höchsten asphaltierten Punkt der Region liefert das Montafon. Von Bludenz zieht das Tal der Ill nach Süden bis Partenen; dort beginnt die mautpflichtige Silvretta-Hochalpenstraße. In 32 Kehren schraubt sie sich auf gut 2000 Meter zur Bielerhöhe, vorbei am Silvretta-Stausee, und fällt auf der Tiroler Seite in zwei Kehren nach Galtür ins Paznaun ab. Die Straße ist ein Sommerweg; die Vorarlberger Auffahrt ab Partenen ist allerdings nach Murenabgängen im Sommer 2024 bis voraussichtlich 2030 gesperrt, sodass die Bielerhöhe derzeit nur von der Tiroler Seite über Galtür erreichbar ist. Als lückenlose Kehren-Straße mitten im Hochgebirge ist sie der Übergang, um den herum sich die meisten mehrtägigen Vorarlberg-Runden bauen.

Eine Kuriosität am Nordrand ist das Kleinwalsertal. Es gehört zu Vorarlberg, hat aber keine Straßenverbindung zum übrigen Land: Erreichbar ist es allein von Oberstdorf im bayerischen Allgäu, entlang der Breitach. Für Österreich eine funktionale Exklave – für Motorradfahrer eine Talsackgasse, die man über deutsches Gebiet betritt und wieder verlässt.
Was das Revier ausmacht, ist die Dichte. Vom Bodensee-Ufer bis in die Passhöhen des Bregenzerwaldes vergeht kaum eine Stunde; zwischen den Talschaften von Bregenzerwald, Walgau, Klostertal und Montafon liegen keine langen Transitetappen, sondern die nächste Kehre, der nächste Übergang, die nächste Grenze. Die Hochpässe – Furkajoch und Silvretta voran – öffnen mit dem schmelzenden Schnee und schließen im Spätherbst. Dazwischen liegen die Wochen, in denen an klaren Föhntagen vom Pfänder über Bregenz der Blick über den See bis in die Schweizer und Liechtensteiner Berge reicht. Bodenseeufer, ein Blick nach Liechtenstein und mehrere Passhöhen passen dabei in eine einzige Tagestour, ohne dass lange Verbindungsstücke die Strecke aufblähen. Auf kleinem Raum steckt hier eine Bandbreite, für die man anderswo Anfahrtstage braucht.
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Von Wiggensbach führen Sabine und Jost diese Tour rund um den Säntis.

Durch die Lechtaler Alpen geht es auf dieser Etappe unserer Tirol-Touren.

Wer ganz im Westen Tirols auf Pässejagd geht, sollte nicht immer nur die schnellsten Verbindungsstraßen zwischen den genialen Alpenstraßen nutzen, sondern auch mal schauen, was es daneben sonst noch so gibt. Wir haben uns jedenfalls mal…



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